Geschichte

Geschichtlicher Überblick

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Eulers Pilotenhaus 1909 (Denkmalamt Darmstadt)
Eulers Pilotenhaus 1909 (Denkmalamt Darmstadt)

Das Gelände südlich der Stadt Griesheim wurde seit dem Jahr 1874 zunächst als Artillerieschießplatz genutzt. Im Jahre 1908 erkannte August Euler die Eignung des Geländes als Flugplatz. Er führte dort erste Gleitflüge durch und stellte im Dezember 1908 bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Pacht eines Teiles des 380 ha großen Artillerieschießplatzes zur Nutzung als Flugplatz.

Anfang 1909 wurde der Pachtvertrag abgeschlossen. Im Februar des Jahres ließ sich August Euler eine Halle und ein Pilotenhaus durch das Nassauische Pionierbataillon Nummer 21 aus Mainz Kastell bauen. Halle und Haus kosteten 2400 Mark.

1909 begann Euler hier seine Flugzeugproduktion. Anfangs wurden Voisin Lizenzbauten hergestellt, die Euler verbesserte. Später wurden eigene Konstruktionen verwirklicht.

Am 31.12.1909 erwarb August Euler in Griesheim die Pilotenlizenz Nr.1.

Erste Flugzeughalle in Griesheim
Erste Flugzeughalle in Griesheim

Euler errichtete in Griesheim:

  • den ersten deutschen Flugplatz
  • die erste deutsche Flugzeugfabrik
  • die erste deutsche Pilotenschule
Erste Flugzeughalle und Pilotenhaus in Darmstadt Griesheim –das Schild auf dem Dach weist auf Eulers Firmensitz in Frankfurt hin.
Erste Flugzeughalle und Pilotenhaus in Darmstadt Griesheim –das Schild auf dem Dach weist auf Eulers Firmensitz in Frankfurt hin.

Zwischen 1909 und 1911 bildete Euler in Griesheim 74 Piloten aus. Der berühmteste Flugschüler war Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des Deutschen Kaisers.

Ferdinand v. Hiddessen im gelben Hund
Ferdinand v. Hiddessen im gelben Hund

Am 25.10.1910 erflog Euler den ersten deutschen Dauer- und Streckenflugrekord von 3h 6min 18sec.

Im Rahmen der Postkartenwoche der Großherzogin Eleonore von Hessen und Rhein, die vom 10. bis 23.6.1912 stattfand, erfolgte am 10.6.1912 die erste amtlich genehmigte Luftpostbeförderung auf der Strecke Frankfurt, Darmstadt, Worms, Mainz und Frankfurt.

Flugzeugführer Ferdinand von Hiddessen führte diese Flüge auf der Euler- Flugmaschine Nr. 33 „Gelber Hund“ durch.

Im Herbst 1912 wird die Fliegerstation Darmstadt Griesheim der Preußischen Armee eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Flugplatz militärisch genutzt.

Mit Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Flugplatz von französischen Truppen besetzt, die den Platz erst 1930 wieder freigaben.

Flugplatz Lichtwiese
Flugplatz Lichtwiese

Da der Griesheimer Platz den Darmstädter Fliegern in jenen Jahren nicht zur Verfügung stand, wurde hinter dem Alten Friedhof der Flugplatz Lichtwiese angelegt und am 13.7.1924 eröffnet.

1924 wurde die Rhön-Rossitten-Gesellschaft (RRG) in Frankfurt gegründet. Die Leitung übernahm Prof. Schlink (TH Darmstadt). Die meterologische Abteilung war in Darmstadt angesiedelt. 1925 wurde Prof. Georgii an die TH Darmstadt, Lehrstuhl für Flugmeteorologie berufen. Er übernahm auch die Leitung der RRG.

Die Aufgabe des meteorologischen Instituts war zu diesem Zeitpunkt, den Segelflug von der Einseitigkeit des Hangaufwindes zu befreien und die Möglichkeit der Ausnutzung thermischer Vertikalbewegungen der Luft zu erschließen.

Am 18.April 1928 wurde dieses Ziel erstmals mit einem Motorflugzeug erreicht. Bubi Nehring, der Pilot des meteorlogischen Institutes, hielt mit stehendem Propeller das Flugzeug 9 Minuten ohne Höhenverlust im thermischen Aufwind einer Kumuluswolke. Dies war die Geburtsstunde des thermischen Segelfluges.

Kurz nach der Rückgabe des Griesheimer Flugplatzes durch die Französische Armee erfolgte dort im August 1930 die Landung des Luftschiffes Graf Zeppelin.

Mit Wiedereröffnung des Flugplatzes in Griesheim verlor der Flugplatz an der Lichtwiese immer mehr an Bedeutung. Durch seine kurze Landebahn war er für die damaligen, oft recht schwach motorisierten Flugzeuge nur bedingt nutzbar.

Im Herbst 1934 wurde der Flugplatz Lichtwiese geschlossen, nachdem die Luft Hansa ihre Flüge mit Stopp in Darmstadt einstellte.

Dreierschlepp in Griesheim ca. 1939 Bild: Kurt Diekmann
Dreierschlepp in Griesheim ca. 1939 Bild: Kurt Diekmann

Die Akaflieg und die Hessenflieger verlegten ab 1931 Ihren Flugbetrieb zurück auf den Flugplatz in Griesheim.

Im März 1931 begann in Griesheim die Akaflieg den Flugzeugschlepp von Segelflugzeugen systematisch zu erforschen. Neben der Entdeckung des thermischen Segelfluges war dies der zweite Schritt, den Segelflug vom Hangflugbetrieb zu lösen.

Peter Riedel schleppte Kurt Starck auf „Darmstadt II“, später auch Otto Fuchs mit der „Starckenburg“ und Günther Groenhoff mit dem „Fafnir“. Unter der Leitung von Peter Riedel wurde ab 1931 bei der RRG eine Flugzeugschleppschule eingerichtet. Hier wurden Piloten aus ganz Deutschland in dieser Startart ausgebildet.

Bücker Jungmeister in Griesheim ca. 1939 - Im Hintergrund DFS Hallen Bild: Kurt Diekmann
Bücker Jungmeister in Griesheim ca. 1939 – Im Hintergrund DFS Hallen Bild: Kurt Diekmann
DFS 194
DFS 194

Im Jahr 1933 wurde die Rhön-Rossitten-Gesellschaft in die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) unbenannt und verlegte ihren Sitz von der Wasserkuppe nach Darmstadt.

1933 hatte die DFS 73 Mitarbeiter, 1936 waren es 220, und 1939 waren mehr als 500 Mitarbeiter in Darmstadt beschäftigt.

Mit Kriegsbeginn 1939 wurde die DFS aufgrund der Grenznähe Darmstadts erst nach Braunschweig und dann nach Ainring in Oberbayern verlagert.

Die DFS war eine zivile Einrichtung. Bis Kriegsbeginn waren ihre Aufgaben überwiegend die Erforschung und Verbreitung des Segelfluges.

Die DFS setzte sich aus 6 Instituten zusammen:

  • Institut für Physik der Atmosphäre – Leiter Dr. F. Höhndorf
  • Flugtechnisches Institut – Leiter Alexander Lippisch, dann Hans Jacobs und später Felix Kracht
  • Institut für Flugausrüstung – Leiter Prof. Dr E.M. Fischel
  • Institut für Flugmechanik – Leiter Prof. Dr. P. Ruden
  • Institut für Flugversuche – Leiter Fritz Stamer

Bei der DFS wurden durch Hans Jacobs (Kranich II, Habicht, Olympia Meise) und Alexander Lippisch (Fafnir, Delta Reihe, DFS 194) herausragende Flugzeuge entwickelt. Zur Erkundung und Verbreitung des Segelfluges wurden Expeditionen nach USA, Südamerika, Finnland und Libyen unternommen. Es wurden Startmethoden entwickelt und perfektioniert. Erst mit Herannahen des Zweiten Weltkrieges erlangten auch die Aufgaben der DFS immer mehr militärischen Charakter. Von Hans Jacobs wurde der Lastensegler DFS 230 konstruiert.

Alexander Lippisch entwarf die DFS 194 die er später bei der Fa Messerschmitt zum Raketenjäger ME 163 weiterentwickelte.

Hans Jacobs gründete zusammen mit Schweyer 1941 die Jacobs-Schweyer Werke in Griesheim, bei der u.a. für Messerschmitt die Me 328 hergestellt wurde.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Flugplatzgelände von der US Army besetzt und bis 1992 als Flugplatz genutzt.

Flugplatz Griesheim ca. 1976 Bild: Kurt Diekmann
Flugplatz Griesheim ca. 1976 Bild: Kurt Diekmann

Das Windkanalgelände wurde im Juli 1955 an die TH zurückgegeben. Das dem Windkanal gegenüberliegende Gelände des Aerodynamischen Instituts erhielt die TH 1961 zurück. Leider waren die Gebäude des Instituts von der US Army abgerissen worden, um das Gelände als Sportplatz zu nutzen.

Die noch existierenden Gebäude der DFS werden bis heute von der BImA verwaltet und stehen derzeit leer.

Flugplatz Griesheim von Westen 2002 Bild: Martin Stenger
Flugplatz Griesheim von Westen 2002 Bild: Martin Stenger

996 wurde ein großer Teil des Flugplatzgeländes unter Naturschutz gestellt.

Die Naturschutzverordnung erlaubt es der TU, die Forschungstätigkeit auf dem Gelände weiterzuführen.

Im Jahr 2005 konnte die TU das Flugplatzgelände erwerben. Das Gelände wird heute als Forschungs- und Versuchsfreigelände der TU Darmstadt genutzt. Eine Vielzahl von Fachgebieten führt hier verschiedene Experimente durch. Auch die Flugzeuge der TU sind hier stationiert.

Weitere Informationen:

Luftfahrt in Darmstadt